Blog Reader

Alternative Behandlung bei Gelenkerkrankungen

02.04.2019 10:46 von Dr. Kolodzey

Es wird angenommen, dass die meisten Hunde und viele Katzen im Laufe ihres Lebens leichte bis schwere Entzündungen an Gelenken entwickeln, die mit Schmerzen und damit weniger Bewegungsmotivation und Lebensfreude einhergehen. Oft werden die Symptome vom Besitzer sehr spät erkannt, da Hunde und Katzen „nur“ bestimmte Bewegungen vermeiden, aber keinerlei Schmerzäußerung zeigen. Ursachen sind vielfältig, so ist Übergewicht und damit eine ständige Überlastung der Gelenke sicher eine der Hauptursachen, neben Fehlstellungen der Gelenke durch Zucht oder Überforderung der Gelenke im Wachstum. Natürlich spielt auch die natürliche Abnutzung durch das oft recht lange Leben unserer Haustiere eine Rolle. Große Hunderassen sind dabei häufig früher betroffen als kleinere und leichtere Rassen, auch bei Katzen sind große und schwere Tiere gefährdeter.

Schränken die Schmerzen die Tiere in Ihrer Lebensfreude ein, werden vom Tierarzt meist so genannte Entzündungshemmer als Medikation verschrieben. Diese unterdrücken wirksam die Schmerzen und die Tiere haben wieder mehr Lebensfreude. Leider kommt es auf Dauer bei diesen Medikamenten oft zu teils starken Nebenwirkungen (z.B. Magenentzündungen bis zu Magengeschwüren) Auch wird der Knorpel damit nicht regeneriert, sondern es werden nur die Schmerzen bekämpft. 

Sind Chondroitinsulfat und Glucosamin eine wirksame alternative Therapie bei Osteoatritis? 

Schon lange wird in der Humanmedizin aber auch in der Tiermedizin mit verschiedenen Nahrungsergänzungen versucht, den Gelenkknorpel zu stabilisieren und zu heilen, ohne Nebenwirkungen befürchten zu müssen. So werden Futterzusätze mit Chondroitinsulfat und/oder Glucosamin angeboten, Omega Fettsäuren oder Kräuter wie z.B. Teufelskralle sollen die Entzündung lindern. Allerdings fehlten, vor allem in der Tiermedizin, meist wissenschaftliche Studien über die Wirksamkeit dieser Futtermittelzusätze. Und leider gibt es bei den sogenannten „Naturheilmitteln“ auch immer wieder unwirksame Präparate, die trotzdem stark beworben werden.

Besonders gerne und oft wird bei Hunden und Katzen eine Kombination aus Chondroitinsulfat (wird aus Tierknorpel gewonnen) und Glucosamin (wird aus Krustentieren hergestellt) als alternative Behandlung verwendet. Vorteil ist, diese Futtermittelzusätze haben auch bei dauerhafter Gabe keine Nebenwirkungen. Beide Stoffe sind Bestandteile des Knorpelgewebes und sollen so dem Körper die richtigen Bausteine zur Verfügung stellen, um Knorpel und Gelenke zu regenerieren und auch vorbeugend zu stärken. Auch die Wirksamkeit dieser Futterzusätze war lange nicht nachgewiesen. Zusätzlich sind die Erfahrungen damit auch bei den Tierhaltern sehr unterschiedlich. Einige berichten von großen Erfolgen, andere sind enttäuscht, dass auch einige Wochen nach Behandlungsbeginn, keine Verbesserung sichtbar ist und brechen die Behandlung wieder ab. Folgende Studie klärt diesen scheinbaren Widerspruch auf.  

In einer unabhängigen Doppel-Blindstudie mit positiver Kontrolle (McCarthy et al.2006) wurden Hunde von privaten Besitzern mit leichter Osteoarthritis, die noch nicht vorbehandelt waren, in 3 Gruppen aufgeteilt. Eine Gruppe bekam als Behandlung einen bei Hunden oft verschriebenen Entzündungshemmer (Carprofen), die zweite Gruppe einen Futterzusatz mit Chondroitinsulfat und Glucosamin (Synoquin R) und die dritte Gruppe Tabletten ohne Wirkstoff. Die Tabletten wurden in einheitliche Kapseln umgepackt. Weder die Besitzer noch der untersuchende Tierarzt wussten während der gesamten Studie, zu welcher Gruppe der jeweilige Hund gehört.

Bei genauen tierärztlichen Untersuchungen am Tag 14 und Tag 40 zeigten nur die Hunde, die Entzündungshemmer (Carprofen) bekamen, eine deutliche Verbesserung der Symptome. Hunde, die mit Synoquin R behandelt wurden, zeigten weiterhin Schmerzen. Am Tag 70 allerdings hatten sich auch die Symptome der Hunde, die Synoquin R bekommen haben, deutlich verbessert. Die Verbesserungen waren vergleichbar mit denen der Hunde, die mit Carprofen behandelt wurden. Die Hunde aus der Kontrollgruppe ohne Wirkstoff, zeigten auch zu diesem Zeitpunkt keine Verbesserung.

Schlussfolgerung

Diese Studie legt nahe, dass eine leichte Osteoarthritis auf Dauer mit Synoquin R, welches Chondroitin und Glucosamin enthält, behandelt werden kann. Allerdings setzt die Wirkung erst nach ca. 2 Monaten ein. D.h. da die Symptome nicht plötzlich sondern langsam besser werden, ist die Wirkung für den Tierhalter sehr schwer sichtbar. Auch ist am Anfang etwas Geduld gefragt, den schnellen Erfolg gibt es nur mit Entzündungshemmern. Nach ca. 2 Monaten ist die Gabe dieser Futterzusätze laut Studie, zumindest bei leichteren Fällen von Gelenksentzündungen, genauso wirksam. Der Vorteil: Sie haben im Gegensatz zu den Entzündungshemmern, auch bei dauerhafter Gabe, keinerlei Nebenwirkungen. 

Die Studie wurde mit Synoquin durchgeführt, andere hochwertige Präparate mit einer ähnlichen Zusammensetzung und Qualität der Inhaltsstoffe, sollten eine vergleichbar gute Wirksamkeit zeigen. 

Wichtig ist, bei Lahmheit und Bewegungsunlust trotzdem immer einen Tierarzt zu Rate zu ziehen. Je nach Schwere und Art der Erkrankung müssen eventuell zusätzliche Behandlungen durchgeführt werden, damit der Hund nicht unnötig leidet.

 

Literatur: Randomised double-blind, positive-controlled trial to assess the efficacy of glucosamine/chondroitin sulfate for the treatment of dogs with osteoarthritis; McCarthy Gl, O’Donovan J, Jones B, McAllister H, Seed M, Mooney C; Vet J. 2007 Jul;174(1):54-61. Epub 2006 May 2.

#Senior #FitimAlter #graueSchnauze #letfoodbethymedicine #Vetfoodcoach 

Foto Shutterstock

 



Zurück