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Kann Jod überdosiert werden?

14.04.2016 12:02 von Dr. Kolodzey

Kann Jod überdosiert werden?

Es hat sich rumgesprochen, dass eine ausreichende Jodversorgung für den Hund essentiell ist. Jod wird im Körper zur Bildung der Schilddrüsenhormone benötigt. Frisst der Vierbeiner zu wenig Jod, fehlt der Schilddrüse ein wichtiger Baustein für die Hormonproduktion. Mögliche Folgen sind: Leistungsabfall, Lethargie, Haarausfall, Kropfbildung, Wachstumsstörungen beim Junghund und Fruchtbarkeitsstörungen.

„Jaja, das wusste ich doch längst“, werden sich jetzt viele denken. Und: „Ich sorge bei meinem Hund sehr bewusst für eine ausreichende Jodversorgung.“

ABER...

Gibt es auch ZUVIEL des Guten? Kann Jod überdosiert werden?

Leider JA.

Eine Überversorgung mit Jod führt nicht nur zu ähnlichen Symptomen wie eine Jodunterversorgung, sondern sieht vielfach aus wie eine ‚echte’ Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose).

Eine dauerhafte Überversorgung mit Jod kann zu Symptomen führen, die auf den ersten Blick nicht von einer ‚echten’ Hypothyreose zu unterscheiden sind! Es kommt zu Skelettveränderungen beim Junghund, Haarverlust, sowie einem Leistungsabfall, Lethargie und Fruchtbarkeitsstörungen. Klingt paradox, ist aber tatsächlich so.

Gleichzeitig verändern sich die Blutwerte bei einer Jodüberversorgung und sehen aus wie eine ‚echte’ Schilddrüsenunterfunktion. Wer es genauer wissen möchte: Der T4-Wert sinkt ab und der TSH-Wert steigt an. Klingt wie eine ‚echte’ Hypothyreose, die mit Hormonen behandelt werden muss? Aber vielleicht ist nur der hohe Jodgehalt im Futter schuld...

Was kann ich als Tierhalter tun? Wie kann ich meinen Hund mit der richtigen Menge an Jod versorgen? Denn Zuviel aber auch Zuwenig tut meinem Liebling nicht gut.

Grundsätzlich: Wer seinem Hund eine Alleinfuttermittel gibt (Dosen- oder Trockenfutter) ist in der Regel auf der sicheren Seite. Denn kommerzielles Fertigfutter sollte ausreichend Jod enthalten. Wichtig ist hier, dass der Futterhersteller sich an die wissenschaftlich empfohlenen Mengen an Jod im Fertigfutter hält und dass der Vierbeiner auch die vom Hersteller empfohlene Menge an Futter bekommt. Leider wird häufig ein Teil des Hauptfutters eingespart und nährstoffarme Leckereien gefüttert. Oft kommt es zu einer Nährstoffunterversorgung – auch Jod wird dann nicht in der gewünschten Menge gefüttert. Es gibt aber auch den entgegengesetzten Fall: Ein Hund mit gutem Stoffwechsel frisst die dreifache Menge der Herstellerangaben. Hier kann es zu einer ungesunden Überversorgung mit Nährstoffen kommen. Die Fütterungsempfehlungen stehen nicht aus Spaß auf den Verpackungen. Sie dienen als Hinweis für eine richtige Versorgung mit allen notwendigen Nährstoffen. 

Was mache ich aber, wenn ich BARFe oder für meinen Vierbeiner koche?

Ein ausgewachsener Hund braucht am Tag ungefähr 15 mcg Jod pro kg Körpergewicht. Ein Beispiel: Ein 10 kg Hund (nennen wir ihn Lupo) bräuchte ca. 150 mcg Jod am Tag. Möchte ich Jod in Form von Seealgen (Ascophyllum nodosum) geben, bräuchte Lupo je nach Produkt ca. 0,2 g Seealge am Tag. Klingt nicht viel? Ist es auch nicht.

Entsprechend gruselig mutet es an, wenn manche Hersteller Seealgen in unglaublichen Größenordnungen empfehlen. Vor allem Produkte, die die Fellfarbe verbessern sollen, sollen laut Hersteller in sehr großen Mengen gefüttert werden. Ich bin im Fachhandel auf eine Dose mit Seealgen gestoßen. Unser neuer Freund Lupo (aus dem Beispiel oben) soll mit seinen 10 kg Körpergewicht stolze 10,5 g Seealgen am Tag bekommen. Jeden Tag! Dies ist eine mindestens 50-fache Überdosierung an Jod. Tag für Tag.

Fazit: Wird der Vierbeiner bereits mit einem jodhaltigen Futter gefüttert, sollte auf weitere jodhaltige Zutaten verzichtet werden. Jodhaltig sind: Trockenfutter und Dosenfutter, Seefisch und Seealgen.

Wer sich unsicher ist, kann sich gerne beraten lassen.

Vetfoodcoach... Für eine individuelle Ernährungsberatung.

 

P.S. Für alle, die das Thema in Ruhe nachlesen wollen und noch ein paar Infos mehr brauchen... Hier geht’s zu den Veröffentlichungen:

http://www.tandfonline.com/doi/pdf/10.1080/01652176.2001.9695117

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17347303

 



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