Warum das Wachstum die Gelenke prägt
Warum treten Gelenkprobleme bei großen Hunderassen so häufig auf? Hüftdysplasie (HD), Ellbogendysplasie (ED) und Arthrose sind trotz sorgfältiger Zucht weit verbreitet. Ursachen wie Vererbung und Zuchtmerkmale spielen zwar eine Rolle, doch auch Halter können die Gelenkgesundheit ihres Hundes schon im Welpenalter entscheidend beeinflussen.
Vielen ist bekannt, dass Überlastung, etwa durch häufiges Treppensteigen, die Gelenke schädigen kann. Weniger bekannt ist, wie stark auch die Ernährung in den ersten Lebensmonaten die Entwicklung von Knochen und Gelenken prägt.
Die Kunst des Wachstums
Welpen wachsen in kurzer Zeit erstaunlich schnell. Ein Labrador wiegt bei der Geburt rund 400 Gramm und nach einem Jahr bereits über 30 Kilogramm. Ein Mensch braucht für eine vergleichbare Entwicklung etwa zehn Jahre.
Dieses Turbowachstum verlangt nach einem Futter, das alle notwendigen Nährstoffe in ausgewogener Menge liefert. In dieser Lebensphase werden Nährstoffe nicht in größerem Umfang gespeichert, sondern direkt für Wachstum und Entwicklung verbraucht. Jedes Ungleichgewicht wirkt sich deshalb unmittelbar auf Knochen, Muskulatur und Gelenke aus.
Dabei ist nicht nur ein Mangel problematisch. Auch eine Überversorgung, zum Beispiel mit Calcium, kann zu Fehlentwicklungen des Skeletts beitragen.
Warum die Zusammensetzung des Futters so wichtig ist
Ein Zuviel oder Zuwenig an Calcium, Phosphor oder Spurenelementen wie Kupfer kann bleibende Schäden begünstigen. Am sichersten ist deshalb ein hochwertiges Junghundefutter, das in seiner Zusammensetzung auf die Bedürfnisse im Wachstum abgestimmt ist.
Mineralstoffe, Vitamine, Eiweiß, Fett und Kohlenhydrate sollten in einem ausgewogenen Verhältnis vorliegen. Genau dieses Gleichgewicht gerät jedoch schnell durcheinander, wenn zusätzlich viele Extras wie Fleisch, Quark oder größere Mengen Leckerlis gefüttert werden.
Solche Zusätze sollten daher nur in kleinen Mengen gegeben werden und keine Mahlzeit ersetzen. Wer für seinen Hund selbst kochen oder BARFen möchte, sollte die Ration unbedingt fachlich berechnen lassen, damit weder Mangel noch Überschuss entstehen.
Warum zu viel Energie das Wachstum beschleunigt
Nicht nur die Zusammensetzung des Futters ist entscheidend, sondern auch die Menge an Energie. Die spätere Endgröße eines Hundes ist genetisch festgelegt – nicht jedoch, wie schnell er diese erreicht.
Je mehr Energie ein Welpe erhält, desto schneller wächst er. Da in dieser Phase praktisch alles direkt in Aufbauprozesse fließt, wird eine überhöhte Kalorienzufuhr unmittelbar in beschleunigtes Wachstum umgesetzt.
Überfütterte Welpen wirken deshalb oft nicht unbedingt dick, sondern eher groß und noch immer schlank. Das verleitet viele Halter dazu, weiter großzügig zu füttern. Doch genau darin liegt das Risiko: Zu schnelles Wachstum überfordert Knochen und Gelenke und erhöht die Wahrscheinlichkeit für orthopädische Probleme wie HD oder ED.
Wie Sie das Wachstum richtig kontrollieren
Wie viel Energie ein Welpe tatsächlich braucht, ist individuell verschieden. Eine erste Orientierung bietet die Fütterungsempfehlung des Herstellers – allerdings nur dann, wenn darüber hinaus keine oder kaum zusätzliche Snacks gegeben werden.
Leckerli und Kausnacks werden in ihrer energetischen Wirkung häufig unterschätzt. Schon ein Schweineohr kann bei einem Hund mit 25 Kilogramm Körpergewicht etwa ein Viertel des täglichen Energiebedarfs abdecken.
Um das Wachstum sinnvoll zu begleiten, sollte der Welpe deshalb einmal pro Woche gewogen werden. In Kombination mit einer passenden Wachstumskurve lässt sich gut beurteilen, ob sich die Entwicklung im gesunden Bereich bewegt oder ob die Futtermenge angepasst werden sollte.
Praktischer Helfer für Welpen und Junghunde
Interaktive Wachstumskurve
Mit unserer interaktiven Wachstumskurve können Sie die Entwicklung Ihres Welpen oder Junghundes besser einordnen und regelmäßig überprüfen, ob das Wachstum im gesunden Bereich verläuft.
Zur WachstumskurveFazit
Mit einem ausgewogenen Futter, einer kontrollierten Energiezufuhr und gelenkschonender Bewegung schaffen Sie die beste Grundlage für einen Hund, der sich auch im Alter noch gut und schmerzfrei bewegen kann.
Wichtig ist außerdem: Adultfutter ist zwar häufig energieärmer, aber für Welpen und Junghunde in der Nährstoffzusammensetzung nicht geeignet. Wenn das Wachstum gebremst werden soll, ist es sinnvoller, kalorienreiche Extras wie Leckerlis, Kauartikel oder Zwischenmahlzeiten zu reduzieren, statt auf Futter für ausgewachsene Hunde auszuweichen.