Wie Sie die Trinkmenge richtig messen
Wenn ein Hund sehr viel trinkt, ist es sinnvoll, die tatsächliche Wassermenge zunächst möglichst genau zu erfassen.
Füllen Sie dazu einen Messbehälter, zum Beispiel mit einem Liter Wasser, und geben Sie nur aus diesem Wasser in den Trinknapf. Achten Sie während der Messtage darauf, dass Ihr Hund nicht zusätzlich aus Pfützen, Seen oder anderen Wasserquellen trinkt.
Am besten messen Sie die Trinkmenge über zwei bis drei Tage. So erhalten Sie einen realistischeren Wert als mit nur einem einzelnen Tag.
Was beim Hund noch als normal gilt
Wie viel ein Hund trinkt, kann je nach Fütterung, Aktivität und Außentemperatur deutlich schwanken. Als grobe Orientierung gelten dennoch einige Faustregeln.
Nassfutter
Bekommt der Hund Nassfutter, sind etwa 30 bis 40 ml Wasser pro Kilogramm Körpergewicht und Tag zusätzlich normal. Ein 10 Kilogramm schwerer Hund trinkt dann meist ungefähr 300 bis 400 ml Wasser zusätzlich.
Trockenfutter
Bekommt der Hund Trockenfutter, sind etwa 50 bis 70 ml pro Kilogramm Körpergewicht und Tag zusätzlich normal. Ein 10 Kilogramm schwerer Hund trinkt dann meist etwa 500 bis 700 ml Wasser zusätzlich.
Hitze und hohe Aktivität
Ist der Hund sehr aktiv und/oder es ist heiß, kann die Trinkmenge auch auf etwa 80 bis 90 ml pro Kilogramm Körpergewicht und Tag ansteigen.
Wird diese Menge deutlich überschritten, sollte ein Tierarzt hinzugezogen werden. Trinkt ein Hund mehr als 100 ml pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag, spricht man von Polydipsie. Das sollte zeitnah tierärztlich abgeklärt werden, weil häufig eine ernsthafte Erkrankung dahinterstecken kann.
Wenn tierärztlich nichts gefunden wird
Gerade in der Ernährungsberatung erleben wir immer wieder Hunde, die auffällig viel trinken. Niere, Blase und andere mögliche Ursachen wurden bereits untersucht, ohne dass sich zunächst ein klarer Befund ergeben hat.
In solchen Fällen lohnt sich ein sehr genauer Blick auf die Fütterung. Was wir dabei häufig finden, ist eine deutliche Nährstoffüberversorgung.
Der Körper reagiert dann vereinfacht gesagt nach dem Prinzip: „Das muss ich loswerden.“ Er versucht, überschüssige Nährstoffe über eine erhöhte Wasseraufnahme und Ausscheidung auszugleichen.
Typische Fütterungsfehler aus der Praxis
Wie es zu einer Überversorgung kommen kann, sehen wir in der Beratung besonders häufig in zwei Konstellationen:
1. Zusätzliches Ergänzen trotz Alleinfutter
Ein Hund bekommt bereits ein Alleinfutter, zum Beispiel ein Dosenfutter, und zusätzlich noch eine Mineralstoffergänzung. Das ist oft gut gemeint, weil Halter Sorge haben, ihr Tier könne sonst unterversorgt sein. In der Praxis kann genau dadurch aber eine unnötige Überversorgung entstehen.
2. Ergänzungen nach Gefühl dosieren
In anderen Fällen ist eine Ergänzung grundsätzlich sinnvoll oder sogar notwendig. Problematisch wird es dann, wenn sie nicht nach Empfehlung, sondern „nach Gefühl“ gegeben wird. So kann es schnell zu einer massiven Überdosierung kommen.
Die gute Nachricht: Nach einer passenden Futteranpassung hat sich das Trinkverhalten in solchen Fällen in unserer Beratung häufig wieder normalisiert.
Wichtig für den Alltag
Viel Trinken sollte immer vom Haustierarzt untersucht werden, denn es kann eine ernsthafte Erkrankung dahinterstecken.
Wenn tierärztlich keine Ursache gefunden wird, sollte jedoch auch die Ernährung mitgedacht werden. Manchmal liegt die Lösung nicht in einer weiteren Untersuchung, sondern in einer sinnvoll angepassten Fütterung.